Hand in Hand
Wie in jeder Partnerschaft gibt es auch zwischen Schäferei und Naturschutz Differenzen. Beide Seiten weisen wichtige Argumente für ihren Anspruch auf. Welche überwiegen oder ist doch ein Kompromiss möglich?

Während bei dem Schäfer / der Schäferin das Tierwohl an erster Stelle steht, möchten manche Naturschutzfachkräfte eine starke Beweidung. Das bedeutet, die eine Seite möchte zufriedene Schafe, während die andere eine sauber abgeweidete Wiese sehen. Hintergrund dabei ist:
Schäferei: Schafe und Ziegen sind zufrieden, wenn sie selektieren können. Das bedeutet, sie möchten aussuchen können was sie fressen. Dazu laufen sie von Kraut zu Kraut und überlegen sich, ob sie dieses oder jenes fressen möchten. Dabei können sie es nicht leiden, wenn es regnet, bereits jemand anderes darüber gelaufen ist, es vom letzten Beweiden noch etwas nach Köttel riecht usw. Bleiben die Weidetiere zu lange auf einer Fläche und müssen auch das verschmähte fressen, werden sie unzufrieden und verweigern das Essen.
Naturschutz: Auf Standorten, auf denen sich Magerrasen etablieren kann, können sich auch andere Pflanzengesellschaften halten. Das bedeutet, dass der Naturschutz angehalten ist die niederwüchsigen Arten durch Weidenachpflege vorm „Ersticken“ durch beispielsweise Altgras oder Gehölzaufwuchs zu schützen. Eine stark abgeweidete Wiese kann die Nachpflege hinfällig machen.
Das heißt: Satte, zufriedene Schafe vs. nachpflegefreie Naturschutzflächen
Früher, als wir noch harte, kalte, Schnee reiche Winter hatten, fror das alte Gras ab. Heute, durch den Klimawandel, entsteht ein Konflikt zwischen den voneinander abhängigen Partnern Schäferei und Naturschutz.
Kooperative Lösungen, gegenseitiges Verständnis und eine praxisnahe Umsetzung sind gefragt. Beispielsweise ist die Strukturvielfalt ein Ansatzpunkt, denn diese ist aufgrund der verschiedenen Lebensraumstruktueren – stark beweidet, Altgras, leicht und stark verbuscht – besonders förderlich für die Artenvielfalt.
