Die Klimaerwärmung und die politische Lage stellt das Land vor herausfordernde Entscheidungen. Der Ausbau erneuerbarer Energien steht nicht selten im Konflikt mit dem Naturschutz. Nicht nur bei Windenergie sondern auch bei Sonnenenergie muss der Naturschutz, oft auch der Artenschutz aufgrund fehlender Daten, Nachsicht walten lassen. Nicht nur die Waldrodungen für die Windräder und Waldtrassen wirken sich negativ auf den Wald als Kohlenstoffsenke aus. Windkraftanlagen im Wald können verstärkt zu Windwurf, sprich zu erhöhter Schadanfälligkeit bei Stürmen, führen.
Untersuchungen durch ‚Agora Energiewende‘ zeigen, dass Photovoltaikanlagen auf geeigneten Hausdächern einen Großteil des Energiebedarfs abdecken könnten. Aufgrund der im Grundgesetz verankerten Eigentumsgarantie kann nicht auf die privaten Hausdächer zugegriffen werden. Auch die höheren Kosten der Montage und Wartung sind entscheidende Faktoren, die Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen) auf Dächern sowie anderen versiegelten Flächen, wie Parkplätze, verhindern. Die Parkplatzanlage des Zoos ‚Pairi Daiza‘ in Belgien weist eine nachhaltige und beispielhafte PV-Anlage mit Holzständerbauweise auf.
Alternativ wird mittlerweile Freiflächen-PV gefördert. Dazu werden landwirtschaftlich genutzte Flächen mit PV-Anlagen bestückt. Sinnvolle Ansätze können sein, wenn der Unterwuchs vor Hagel geschützt oder besonders wärmebegünstigte Standorte benötigt, wie im Beerenanbau. Der Wärmestau verursacht unter den PV-Anlagen eine starke Hitze. PV-Anlagen müssen oftmals nicht ausgeglichen werden. Die Begründung liegt in der Ökokontoverordnung. Beispielsweise ist ein Acker weniger hoch bewertet als eine Wiese, sodass ein Ausgleich als flächenintern abgegolten gilt. Im Hinblick auf den Feldvogelschutz bestehen hier jedoch Zweifel. Ein Acker durchläuft mindestens drei verschiedene Fruchtfolgen innerhalb von drei Jahren. Auch Mitarbeitende der Unteren Naturschutzbehörden vergleichen die fehlende Lebensraumqualität von Maisacker mit Photovoltaikanlagen. Es bleiben innerhalb der drei Jahre jedoch noch zwei Jahre mit niedrigerer Ackerfrucht, wie verschiedene Getreidearten. Zudem ist nicht bekannt welche Höhe letztlich bei Aufsitzwarten notwendig ist, sodass die Photovoltaikanlagen selbst, aber mindestens der Zaun zum Schutz der Anlage als Aufsitzwarte fungieren kann. Wie weit die PV-Anlage damit auf die umliegenden Flächen Einfluss nimmt ist ebenfalls nicht bewiesen. Ein großes Problem für die gefährdete Feldlerche. Neben dem Habitatverlust kommt der mögliche Nahrungsverlust, denn besonders bei einer geringen Höhe der PV-Anlagen ist das Überleben von Insekten fragwürdig.
Das Merinoschaf ist in BaWü und Bayern eine verbreitete Schafrasse, wodurch die Photovoltaikanlagen eine Mindesthöhe von 120cm benötigen. Die Paneelen sind jedoch meist nur 80cm und damit für eine Pflege durch Merinoschafe zu niedrig. Dies führt zu verletzten Tieren, wie Verletzungen am Rücken und einer erschwerte Kontrolle der Schafe. Das kann zur Folge haben, dass die Gesundheit der Tiere leidet oder/und es auf lange Sicht dazu führen kann, dass die Pflege der PV-Anlagen maschinell erfolgen muss. Doch auch für Balkenmäher und Freischneider sind die PV-Anlagen zu niedrig. Bliebe also nur noch der Mähroboter, der im Hinblick auf eventuell notwendigem Insektenschutz sowie möglicher Pflanzenvielfalt keine Option darstellt.
Die Hitze unter den Paneelen führt dazu, dass die Schafe bevorzugt neben der Anlage fressen. Auch kommt es bei einer dauerhaften Beweidung zu Lagerplätzen, an denen sich früher oder später Nährstoffzeiger, wie Brennnesseln etablieren. Diese werden von Schafen nur ungern gefressen. Natürlich kann mit einem hohen Beweidungsdruck dagegen gearbeitet werden, jedoch muss auch im Naturschutz und hier in der Flächenpflege auf das Tierwohl geachtet werden. Oftmals wird bei PV-Anlagen, wie bei Seen und Grünland für Artenschutz geworben. Es ist die Frage, ob Insekten und die angestrebten seltenen Pflanzenarten dem Hitzebrand unter den Anlagen standhalten können. Des Weiteren ist auch offen, ob im Bereich der Gewässer die Verdunstungskühlung zwar der Anlage zugute kommt, aber die Einflüsse der Anlage sich negativ auf die Biozönose des Teichs/Sees auswirkt.
Leider ist auf der Ebene der unteren Behörden die Handhabung sehr variabel und stützt sich oftmals auf die Aussagen von Planungsbüros. Die Unterschiede in den fachlichen Kompetenzen der Büros und jeweiligen Mitarbeitenden unterscheiden sich in Pflanzen- sowie Tierarten, Erfahrung und Beauftragungsabhängigkeit.
Des Weiteren führen die Freiflächen-Photovoltaik neben der Bebauung zu erhöhtem Flächendruck. Die Kosten für vor allem Acker steigen ins Unermessliche. Im Hinblick auf die Unabhängigkeit von Deutschland bzgl. der Ernährung sollte die Landwirtschaft entlastet und nicht noch stärker unter Druck gesetzt werden. Der Flächendruck ist mit ein Faktor warum unsere Artenvielfalt zurückgeht. Kleinere Flächen bedeuten bei gleichbleibendem Ertragswunsch eine intensivere Bewirtschaftung. Ein selbstgeschaffenes Problem, das auch durch höhere Förderungen für nachhaltige Bewirtschaftsformen abgewandt werden kann.
Alternativen zu Freiflächen-PV und Windkraft im Wald sind vorhanden und können ergänzend zu sinnvoll umgesetzten erneuerbaren Energien eingesetzt werden: In (Süd-)Italien sind die Hausdächer und Fassaden traditionell weiß zum Schutz vor extremer Hitze. Die Reflexion ist sowohl für den Bewohner (Hitzeschutz) als auch für den Klimaschutz (Albedo-Effekt) erstrebenswert. Auch Stromsparen ist ein essentieller Faktor im Bereich Klimaschutz. Zu früheren Zeiten gab es nachts Senkungen bei den Stromkosten. Auch heute könnte sich eine Stromkostensenkung tagsüber anbieten, um den Strom der Photovoltaik-Anlagen zu nutzen. Zudem sollte der Fokus auf Hausdächern mit Ost-West-Ausrichtung, zur Abdeckung des Morgen- und Abendbedarfs. Doch nicht nur bei den Privathaushalten gilt es Strom zeitlich angepasst zu nutzen und gleichsam zu sparen. Gerade in der Industrie gibt es viele Möglichkeiten, wie Strom eingespart werden kann. Beispielsweise könnte in der Stahlindustrie auf Wasserstoff gesetzt werden. Eine Anreizpolitik wäre auch hier sinnvoll angelegt und könnte künftig mögliche finanzielle Unterstützungen von Unternehmen erübrigen. Ebenfalls könnten durch das Verbot von jeglicher Art von Fassadenbeleuchtung und Standart-Beleuchtung nicht nur dem Klimaschutz zuträglich sein sondern auch dem Vogelschutz.
